Sommer 2011

November 28th, 2011

Juli 2011  Es ist ein Wochenende, als ich unter meiner rechten Achtel einen Knoten taste. Ich spüre sofort, dass das nicht gutes zu verheißen hat. Irgendwie schaffe ich es doch irgendwann, meiner Hausärztin einen Besuch abzustatten. Sie ist ratlos, lässt Blut abnehmen, schickt mich zum Ultraschall. Toll, Selbständigkeit und zeitnahe Arzttermine -überhaupt nicht machbar!

August 2011 Ich habe frei genommen, da der Kurze bald eingeschult wird. Eigentlich wollte ich die Zeit vor der Einschulung für etwas Angenehmeres nutzen, aber nun nutze ich sie für Arztbesuche. Mittlerweile ist der Knoten unter der Achsel deutlich tast- und sichtbar. Ich habe gegoogelt – böser Fehler! Denn nun habe ich richtig Angst! Im Prinzip weiß ich jetzt schon, was mit mir los ist. Ich habe einen permanenten Ruhepuls von 100 und kann an nichts anderes mehr denken. Um mich rum, versuchen alle, alles schön zu denken. Das wird schon nichts schlimmes sein, warte erstmal ab, was der Arzt sagt… – toll, das hilft mir überhaupt nicht! Ich habe einen Termin beim Radiologen. Ich gehe davon aus, dass er mir sagt, was mir fehlt. Er schallt meine Achsel und stellt fest, dass dort viele Lymphknoten angeschwollen sind, der Größte 2.2cm. Er konnte mir nichts dazu sagen und da ich ja jetzt gerade Urlaub habe und die nervliche Anspannung nicht mehr aushalte, besorge ich mir Überweisungen und fahre direkt in die Südstadtklinik, denn irgendwer muss mir doch mal sagen, woran das liegt.  Sofort wird eine Stanzbiopsie durchgeführt. Autsch. Ohne Befund. Ich bin erstmal erleichtert. Ich soll nochmals zum Ultraschall und der Lymphknoten soll raus. Hm…nun doch? Die Ärztin in der Radiologie schallt die Knoten nochmals und fragt mich, ob schon jemand mit mir geredet hätte? Nein, sage ich. Nun, für etwas Harmloses seien die Lymphknoten zu groß und zu viele, das wird wohl eher etwas Bösartiges sein. Alles Gute. Auf Wiedersehen und ein schönes Wochenende. Danke! Morgen hat mein kleiner Einschulung und ich weiß nicht, wie ich in feierliche Stimmung kommen soll!!! Ich baue immer mehr ab, ich kann nichts essen…

September 2011   Am 2.9. habe den Termin zur Lymphknoten – OP. Unter Vollnarkose. Na das ist ja wieder was für mich! Nagut…hauptsache, der Knödel kommt raus und ich erfahre endlich, was los ist. Nächste Woche soll das Ergebnis da sein. Sie rufen mich an. Ok. Wieder warten. Bis Mittwoch warte ich, dann rufe ich an. Ich soll hinkommen, am Telefon besprechen wir keine Befunde. Ich fang an zu heulen, also doch!!! Wäre nichts, hätte sie es mir ja am Telefon gesagt. Klare Gedanken sind für mich schon lange ein Fremdwort, ich habe nur noch im Kopf, dass ich leben will! Am nächsten Tag fahre ich mit meinem LAG in die Klinik. Dort die vorläufige Diagnose: Morbus Hodgkin. Puh. Der Mercedes Benz unter den Krebsen. Kann man das Glück nennen? Ich breche zusammen. Vor der Klinik nochmal. Und ich gehe allein in die Kniee. Aufgefangen werde ich nicht, und darüber bin ich über alle Maßen hinaus enttäuscht. Von nun an werde ich merken, dass ich da ganz allein durch muss. Auch mental. Leider. Am 12.9. habe ich gleich den Termin in der Onkologie. Staging . In der folgenden Zeit CT, Knochenmarkpunktion, um festzustellen, in welchem Stadium ich mich befinde, wie weit das Ganze fortgeschritten ist. Ich lasse mir gleich einen Termin beim Psychoonkologen geben, weil den brauche ich mittlerweile wirklich! Im Oktober soll es dann losgehen, sobald alle Ergebnisse der Untersuchungen da sind. Das endgültige Ergebnis der pathologischen Untersuchung steht noch aus, aber die Ärztin hat versprochen, mich anzurufen, wenn es doch ein Non-Hodgkin-Lymphom sein sollte. Nach der Knochenmarkpunktion lasse ich mir den aktuellen Befund kopieren – PUH! Es ist Morbus Hodgkin. Aber es sind noch Untersuchungen nötig, zum Ausschluss eines ALCL (das ist ein Non-Hodgkin) HÄÄÄ? Ich google wieder und stelle fest, es gibt histologisch Ähnlichkeiten und es gibt auch Grenzfälle zu ALCL.Aha….Mittlerweile fühle ich mich mental etwas stabiler, ich bin optimistisch. Offensichtlich habe ich ein frühes Stadium und bin dann vor Weihnachten noch mit 2 Zyklen Chemo durch. Glück gehabt. Morbus Hodgkin hat eine Heilungschance von ca. 96%, da kann man ja berechtigt optimistisch in die Zukunft blicken, nicht wahr?